Produkttester - Nebenjob oder echter Hauptberuf?

Besonders populär als Nebenjob ist der Beruf "Produkttester" - schliesslich gibt es hier nicht nur Geld für jedes getestete Produkt, sondern auch noch etliche Gratisproben, mit denen wiederum Geld gespart werden kann: Kostenlose Kosmetik, Körperpflegeprodukte, Lebensmittel... da kommt einiges zusammen, sollte man denken. Die Realität sieht nicht leider nicht so rosig aus.

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Die Auswahl für Produkttests ist Glückssache

Im Internet tummeln sich mittlerweile etliche Marktforschungsunternehmen, die Produkttests organisieren. Die Hersteller teilen dem Unternehmen mit, welches neue Produkt getestet werden soll - zum Beispiel ein neues Fertiggericht oder ein neues Shampoo - und das Marktforschungsunternehmen wählt aus seinem Pool an Produkttestern einige Kandidaten aus, die dieses Produkt dann zu Hause testen können. Anschliessend füllen sie einen Fragebogen mit ihren Ansichten aus, die das Marktforschungsunternehmen schliesslich an den Hersteller weiterleitet. Der weiss dann, ob das Gericht schmackhaft ist oder ob die meisten es zu salzig fanden, ob das Shampoo Zuspruch fand oder Haare grün verfärbt hat.

Um auf eine möglichst grosse Auswahl an potenziellen Testern jeden Alters zurückzugreifen, führen die meisten Marktforschungsunternehmen keine oder nur wenige Vorauswahlen durch. Anders gesagt: Jeder kann sich registrieren. So stehen dann beispielsweise 5000 Frauen zwischen 30 und 35 Jahren in der Kartei, die allesamt als Testerinnen für das neue Shampoo in Frage kommen. Als eine der 10 Testerinnen ausgewählt zu werden, kommt somit einem Glücksspiel gleich.

Da sich fast alle Produkttester bei mehreren Portalen registrieren, sind die Chancen überall gleich gross (oder klein), den Job zu bekommen. Wer lediglich das eigene magere Einkommen als Hausfrau oder Studentin aufbessern will, kann natürlich damit leben, wenn in einem Monat nur fünf "Aufträge" hereinkommen mit einem Gesamtverdienst von etwa 150 Franken. Aber hauptberuflich davon leben ist schon aufgrund der grossen Unsicherheit unmöglich.

Produkttester Shampoo

Medizinische Produkte "testen" bringt mehr Geld

Eine spezielle Form des Produkttests sind klinische Studien der Pharmakonzerne. Bevor neue Medikamente für den verschreibungspflichtigen Markt zugelassen werden, müssen sie zunächst an freiwilligen Versuchsteilnehmern ausprobiert werden. Weil damit immer ein gewisses gesundheitliches Risiko verbunden ist, werden die Probanden entsprechend besser bezahlt als normale Produkttester. Allerdings ist eine robuste Gesundheit Voraussetzung für die Teilnahme. Und zu oft können solche Tests aufgrund der gesundheitlichen Risiken auch nicht mitgemacht werden. Daher gilt hier ebenfalls: Als Nebenjob ganz gut geeignet, als Vollzeitjob jedoch nicht.

Das Gleiche gilt auch für andere wissenschaftliche Studien, die viel Zeit in Anspruch nehmen. Studenten, die über ihre Universität von derartigen Angeboten erfahren, können mit der Teilnahme leicht einen dreistelligen Betrag neben dem Studium verdienen. Das reicht dann, um sich ein neues Smartphone zu gönnen oder eine kleine Reise, eignet sich aber ebenfalls nicht als Vollzeitverdienst.

Tester im Internet

Wer technisches Wissen rund um das Internet mitbringt, kann auch Websites testen und analysieren. Dabei geht es vor allem darum, neue Websites, Portale, Online-Spiele und ähnliches auf Herz und Nieren zu überprüfen, Bugs (kleine Fehler im Programm) aufzustöbern und die Benutzerfreundlichkeit zu testen. Allerdings handelt es sich dabei nur selten um Heimarbeit. Meistens werden dieses Tests von Praktikanten in Unternehmen der Digitalbranche durchgeführt. Allerdings ist es durchaus möglich, mit dem Vorgesetzten zu verhandeln und zumindest einen Teil der Arbeit von zu Hause aus zu erledigen. Dann kann sich dadurch tatsächlich eine gutbezahlte Vollzeitaufgabe entwickeln.

Manche Menschen versuchen sich auch als "Testblogger", d.h. sie betreiben einen oder mehrere Blogs, in denen sie neue Produkte beschreiben und der Öffentlichkeit vorstellen. Je nach Ausrichtung des Blogs gibt es hier die Chance, durchaus teure Produkte geschenkt zu bekommen, egal ob Drucker oder Kosmetik. Für jeden veröffentlichten Bericht wird dann pro Wort bezahlt. Der Arbeitsaufwand - das Testen der Produkte, das Schreiben der Artikel, das Bebildern und die Kommunikation mit den Firmen - ist jedoch hoch. Wer emsig Akquise betreibt, kann möglicherweise genug Geld zusammenkratzen um davon zu leben, aber die Belastung ist im Verhältnis zu den Einkünften hoch.

Fazit: Wer nicht gerade in einer hochqualifizierten Nische als Produkttester agieren kann, sollte sich in diesem Geschäftsfeld keine grossen Hoffnungen auf einen Vollzeitjob machen. Die Chancen, jeden Monat so oft für Produkttests eingeladen zu werden, dass die Einkünfte zum Leben reichen, sind gering. Wer es versuchen will, sollte zumindest erst als Nebenjobber einsteigen und sehen, wie sich die Sache nach einigen Monaten entwickelt. Kommt jeden Monat genügend Geld herein um davon zu leben, kann der Vollzeitjob immer noch an den Nagel gehängt werden.

schreibt regelmäßig für UmfragenVergleich.