Heimarbeit in der Schweiz

Heimarbeit ist in ganz Europa auf dem Vormarsch, allerdings unter anderen Vorzeichen, als sie noch für die klassische handwerklich geprägte Tätigkeit von zuhause aus früheren Jahren gültig waren. Heute sitzt nicht mehr die Familie am Küchentisch und bastelt kleinteilige Montage-Sets für das produzierende Gewerbe, sondern ein unabhängiger Dienstleister an seinem PC im Home Office, der via Internet mit seinen Auftraggebern verbunden ist. Die Heimarbeit in der Schweiz macht bei diesem Trend keine Ausnahme.

Die schweizerische Gesetzgebung hat als eine der ersten in Europa auf die veränderten Bedingungen reagiert und mit der neuen Fassung des Bundesgesetzes über die Heimarbeit vom 1. Januar 2009 eine moderne Grundlage für die Ausübung von Heimarbeit in der Schweiz geschaffen. Darin sind die neuen Medien und das Teleworking ausdrücklich enthalten. Gleichzeitig sind im Web Mini-Jobs zum Standard geworden. Die Frage ist: Was lohnt sich wirklich, und in welche Angebote sollte man besser keine Zeit investieren?

Beliebte Online Tätigkeiten

Das Internet ist der am stärksten expandierende Vertriebskanal, der auch eigene Marketingtechniken hervorgebracht hat. Den Hauptteil bilden die so genannten clickworks, also das Öffnen und Versenden von Werbemails sowie das Anklicken von Websites. Hier sind allerdings Tausende von Klicks erforderlich, um wenigstens auf zweistellige Franken-Beträge zu kommen. Da ist die Teilnahme an Online Umfragen schon etwas ergiebiger, denn selbstverständlich hat auch die Marktforschung das Potenzial des Internets für sich erschlossen. Um mehr als 100 Franken im Monat zu generieren, muss man sich dann jedoch schon bei mehreren Umfrageportalen registrieren lassen. Bei Produkttests wird meist das zu testende Produkt überlassen.

Wirklich Geld lässt sich nur verdienen, wenn man an der expansiven Struktur des Webs teilnimmt. Die ständige Erweiterung der Webseiten benötigen stets neue Inhalte. Autoren haben hier ein reiches Betätigungsfeld in den diversen Content-Portalen. Dabei sind technisches Fachwissen und die Fähigkeit zur Suchmaschinenoptimierung der Texte wichtiger als schriftstellerische oder journalistische Begabung. Die besten Honorare erzielen Ratgeber im technischen Bereich. Je nach Aufwand lassen sich so einige Hundert Franken im Monat verdienen. Wer über gute IT-Fähigkeiten oder gute Qualitäten als Webdesigner verfügt, kann via Internet sogar noch mehr verdienen. Eine echte Geldquelle sind auch Webseiten, die über hohen Traffic verfügen. Sie können Werbeplätze verkaufen oder auch erfolgreich an Affiliate Programmen teilnehmen.

Die andere Seite ist der Direktvertrieb. Für selbst hergestellte Produkte eröffnet das Web völlig neue Vertriebschancen. Mit dem eigenen Webshop oder dem Verkauf in gut frequentierten Portalen lässt sich der Absatz extrem erhöhen. Als reiner Händler lassen bei eBay vierstellige Summen im Monat realisieren.

Abzocke im Internet

Aber auch dubiose Anbieter treiben im Web ihr Unwesen, die aus der Beliebtheit der Heimarbeit in der Schweiz Kapital schlagen wollen. Offerten mit überdurchschnittlichen Verdienstchancen müssen von vornherein skeptisch betrachtet werden, erst recht, wenn der Interessent in finanzielle Vorleistung treten soll. Ein unrühmliches Beispiel sind die Angebote für das Kugelschreiber montieren – eine Leistung, die plausibel klingt, für jeden machbar ist und ein zweites Monatseinkommen suggeriert. Der Haken an der Sache ist: die Tätigkeit ist längst Teil von automatisierten Produktionsstrecken. Wer für ein Info-Heft oder einen Starter-Set 50 bis 150 Franken überweist, steht anschließend ohne Aufträge da. Die Vorkasse ist eine beliebte Masche von Abzocken. Selbst die Schweizerische Zentralstelle für Heimarbeit kann gegen diese Praktiken nichts machen, da die Anbieter ihre Werbetexte geschickt formulieren. Bei solchen Angeboten ist daher äußerste Vorsicht geboten.

Schutz durch Gesetz

Wer bei Onlinetätigkeiten die Maßgaben des Schweizer Heimarbeitsgesetzes beherzigt, ist zumindest vor ganz bösen Überraschungen sicher. Denn die Auftraggeber müssen danach die Bedingungen für die Tätigkeit, den Lohn, die Arbeitszeit und die Abrechnung klar bekannt geben.

In der Vielzahl der Angebote findet sich fast für jeden etwas. Den Interessenten muss aber klar sein, dass es sich nur um Nebenjobs handelt. Für den Aufbau einer professionellen Existenz ist auch im Web viel Zeit und Durchhaltevermögen nötig.