Interview mit einer Freelance Writerin

Wir haben in einem Interview bei einer Master of Arts Studentin nachgehakt, wie es sich als freiberufliche Texterin leben lässt. Im Hinblick auf die Faktoren der Heimarbeit und Zeiteinteilung sowie zu den persönlichen Erfahrungen mit ihrer Arbeit stand sie uns für euch Rede und Antwort.

Sein Geld mit Schreiben zu verdienen ist das Arbeitsfeld der sogenannten Freelance Writer, die gemeinhin auch als freiberufliche Texter bezeichnet werden. Das Arbeitsfeld jener Berufsgruppe ist groß und der Markt ist ebenso riesig, doch Nadine hat es geschafft, als Freelance Writerin erfolgreich Fuß zu fassen.

Interview mit Freelancerin

Nadine, eigentlich bist du Studentin, aber du arbeitest auch nebenbei als Freelance Writerin. Wie bist du zu der Entscheidung gekommen, gerade in diesem Bereich dein Geld zu verdienen?
Der Job ansich hat direkt mehrere Vorteile, denn er ist wirklich flexibel. Ich kann selbst entscheiden, wie viel ich arbeiten kann und arbeiten möchte. Im Hinblick auf mein Studium ist das wirklich sinnvoll und hilfreich, da ich von Woche zu Woche selbst entscheiden kann, wie viele Artikel ich nebenher schreiben kann und muss auch nicht extra zu meiner Arbeitsstelle fahren, da ich von zu Hause aus arbeite. Aber auch unterwegs, wie zum Beispiel wenn ich freie Zeit zwischen zwei Vorlesungen in der Universität überbrücken muss, kann ich die Zeit direkt nutzen, um effektiv zu arbeiten. Man ist einfach nicht an einen festen Ort oder auch feste Arbeitszeiten gebunden und durch seine Arbeit lernt man stetig Neues kennen und vernetzt sich über beispielsweise das Internet mit den Kollegen und auch interessanten Personen.

Da du neben deinem Studium her arbeitest - wie gestaltet sich ein typischer Tagesablauf bei dir?
Einen typischen Tagesplan gibt es eigentlich nicht, auch wenn es wirklich wichtig ist, neben dem Studium eine gute Zeiteinteilung fürs Arbeiten zu haben. Ich versuche deshalb immer vorrausschauend zu planen: Wenn ich zum Beispiel weiß, dass ich in einer bestimmten Woche sehr viel für mein Studium tun muss, nehme ich entsprechend weniger Aufträge für die Heimarbeit an. Außerdem hilft es mir, einen oder mehrere feste Arbeitstage zu haben, an denen ich mich meiner Arbeit widme und auch für meinen Arbeitgeber direkt erreichbar bin. Statt an einem freien Tag auszuschlafen stelle ich mir morgens den Wecker, um gewissermaßen eine „Büroatmosphäre“ zu schaffen und dann mit meiner Arbeit motiviert durchzustarten.

Dein Arbeitsplatz ist dein Zuhause – wie trennst du dabei sinnvoll Arbeit und Freizeit?
Ablenkungen gibt es Daheim wesentlich mehr als in einem Büro, besonders, wenn man in einer Wohngemeinschaft lebt. Deswegen ist es für mich hilfreich, wenn ich mich an meinen Schreibtisch zurückziehe. Damit ich mich nicht unnötig mit anderen Sachen beschäftige, achte ich darauf, dass ich immer einen aufgeräumten und sauberen Schreibtisch habe und alles Wichtige in der Nähe ist. Die klassische To-Do-Liste aufzustellen und abzuhaken fördert auch meine Motivation, vor allem wenn ich sie auf bunte Zettel schreibe, das macht die Arbeit etwas bunter.

Arbeitsplatz eines Freelancers

Ablenkung versuche ich großteilig zu verhindern, indem ich in dieser Zeit nicht innerhalb sozialer Netzwerke surfe, private E-Mails lese oder nur kurz die nächste Sprechstunde eines Dozenten suche. Eine besondere Art der Motivation zum fokussierten Arbeiten ist für mich die Aussicht auf spätere geplante Freizeitaktivität, zum Beispiel gemeinsames Kochen mit Freunden in der WG oder einfach ausspannen und mich erholen zu können.

Neben dem Studium arbeiten suggeriert, dass die Arbeit nur als ein Zubrot zum Lebensunterhalt dient. Wie sind die allgemeinen Verdienstmöglichkeiten in der Branche?
Ich denke, dass es wie bei den meisten freien Jobs davon abhängig ist, wie viel Zeit man in die Arbeit investieren kann und auch investieren möchte. Dabei muss man allerdings auch die gesetzlichen Bestimmungen berücksichtigen wie zum Beispiel die steuerlichen Freibeträge. Eine Arbeit als Freelance Writerin lohnt sich meist nur dann, wenn man unter dem Freibetrag bleibt und so auch keine Steuern abführen muss. Um den kompletten Lebensunterhalt damit zu verdienen, ist es generell daher weniger geeignet als beispielsweise eine journalistische Festanstellung bei einer Zeitung. Ich betrachte es als einen rentablen Nebenjob oder auch als besseres „Taschengeld“ und bin damit sehr zufrieden.

Bist du als Freelance Writerin in der Lage, deinem Arbeitgeber „abzusagen“, wenn du gerade keine Kapazitäten frei hast oder läuft man so schnell Gefahr, von anderen ersetzt zu werden?
Das kommt wahrscheinlich immer auf den Arbeitgeber an. Ich handhabe das so, dass ich von Anfang an klarstelle, dass ich aufgrund meines Studiums nicht immer auf Abruf zur Verfügung stehe, denn vernachlässigen möchte ich mein Studium schließlich nicht. Bisher habe ich damit auch keine schlechten Erfahrungen gemacht und bin bei meinen Auftraggebern immer auf Verständnis gestoßen, keiner hatte bisher ein Problem damit. Hat man allerdings schon für einen Auftrag zugesagt, sollte man sich auch daran halten und alles rechtzeitig fertigstellen, damit die Verlässlichkeit nicht in Frage gestellt wird.

Heimarbeit ist heutzutage sehr beliebt, doch noch nicht so sehr verbreitet wie man glauben mag. Wie reagieren andere Menschen auf dich, wenn du von deiner Arbeit erzählst?
Die meisten Leute sind wirklich überrascht, insbesondere verwundert es viele, dass sich so eine Arbeit tatsächlich lohnen kann. Oft wird man im gleichen Zuge auch mit der Phrase konfrontiert, dass Schreiben doch eine „brotlose Kunst“ sei, dem ich aber mit einer kurzen Erläuterung zu meiner Arbeit entgegenwirken und die Phrase entkräften kann. Einige haben sich im gleichen Zuge auch direkt bei mir erkundigt, wie man an so einen Job kommt.

Wie kamst du denn dazu, als Freelance Writerin zu arbeiten?
Das Online-Netzwerk XING war für mich sicherlich ein großer Faktor, um erstmals Kontakte in der Arbeitswelt der Heimarbeit zu knüpfen und meine Schreibfähigkeiten unter Beweis zu stellen. So hat mir schließlich das Internet-Portal als Sprungbrett gedient und hat und mir die Möglichkeit eröffnet, mich durch meine Arbeit zu etablieren. Aber auch diverse andere Internet-Seiten von entsprechenden Firmen oder Portalen, die solche freien Arbeitsstellen auflisten, sind eine gute Quelle, um einen Einstieg in die Heimarbeit zu finden. Dank des stetig aufgebauten Netzwerkes arbeite ich aktuell freiberuflich für zwei verschiedene Firmen.

Welche Fähigkeiten und Kompetenzen sollte man mitbringen, wenn man Erfolg in diesem Job haben möchte?
Da man als Texterin einem auf das Schreiben ausgelegen Beruf nachgeht, ist die Beherrschung der deutschen Grammatik und auch Rechtschreibung sowie die Kenntnis von Kommaregeln essentiell. Ein Germanistik-Studium oder eine Ausbildung zum Journalist sind hilfreich, aber nicht zwingend notwendig, solange man gute Kenntnis der deutschen Schriftsprache hat und weiß, dass auch Korrekturprogramme nicht immer die Wahrheit sagen. Auch eine gesunde Neugierde an vielfältigen Themen und fundiertes Recherchieren helfen bei der Arbeit. Hat man eine spezielle Vorkenntnis in einem bestimmten Thema, wie beispielsweise eine vorige Ausbildung in der Medizin, kann man gezielt Autorin von fachspezifischen Texten sein. Zwar kann man es nicht direkt als Kompetenz bezeichnen, doch sollte man auf jeden Fall Spaß an dem Beruf und am Schreiben haben. Je mehr Interesse und Vergnügen man an der Sache hat, desto leichter und bestimmter geht sie einem von der Hand!

Vielen Dank Nadine, dass du dir für dieses Interview die Zeit genommen hast! Wir wünschen dir weiterhin viel Spaß und vor allem Erfolg in deinem Berufsfeld.

schreibt für UmfragenVergleich. Ihr könnt sie über Twitter oder Facebook erreichen.